Geschichte des Wochenmarkts in Deutschland

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Geschichte der Wochenmärkte und Marktplätze in Deutschland

Wochenmärkte und Marktplätze sind seit langer Zeit bedeutende Dreh- und Anlaufpunkte für das gesellschaftliche und ökonomische Leben der Menschen. Dies macht sie daher besonders aus soziologischer und historischer Sicht interessant. Der im Folgenden aufgeführte historische Abriss, soll einen kurzen Einblick in dieses Thema geben.

 

 

 

Marktplätze sind als historischer Bestandteil vieler Städte immer zugleich Plätze, welche in unmittelbarer Verbindung mit dem Warenhandel zu denken sind. Das Kaufen und Verkaufen von Waren auf verschiedenen Handelsplätzen, erlebte seine erste Hochphase im 10. Jahrhundert. Seit Beginn der Städtebildung bildeten Märkte, bzw. Marktplätze sowohl die sozialen, als auch räumlichen Zentren des städtischen Lebens. In vielen historischen Stadtplänen kann der Marktplatz sehr schön als geographisches Stadtzentrum erkannt werden. Im Zentrum der heutigen Altstädte sind diese Marktplätze in vielen Fällen noch in Funktion.

Einer der ältesten historisch verifizierten Wochenmärkte ist der Trierer Hauptmarkt. Dieser wurde bereits im Jahre 958 eingerichtet. Noch heute ist dieser Hauptmarkt (Wochenmarkt), zentraler Platz der Trierer Altstadt und lädt zum Bummeln, Kaufen und Verkosten ein. Im 11. Jahrhundert stieg die Zahl der Orte, an denen regelmäßig Märkte, bzw. Wochenmärkte stattfanden stetig an. Es war damals vor allem Bischöfen und Klöstern vorbehalten, Jahrmärkte und Wochenmärkte abzuhalten. Die damals gängigen Handelswaren waren hauptsächlich Handwerkserzeugnisse wie verschiedene Werkzeuge oder Holz- und Tischlerarbeiten, zudem Brot, Mehl und Feldfrüchte. Märkte dieser Art hatten dementsprechend eine große Bedeutung für das nahe gelegene Umland. Sie dienten als primärer Anlaufpunkt für die Versorgung mit Waren und Produkten, welche nicht in eigener Herstellung, bzw. durch eigene Jagd und Ernte erbracht werden konnten. Allgemeine Voraussetzung für die Herausbildung lokaler Märkte war die zunehmende Arbeitsteilung und die gleichzeitige räumliche Trennung von Landwirtschaft und Handwerk. Märkte (bzw. Marktplätze) entstanden vor allem dort, wo entsprechend günstige Bedingungen (z.B. hohe Siedlungsdichte im Umland, gute Verkehrsanbindung und Infrastruktur) dafür gegeben waren.

Eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit historischen Märkten, bzw. Marktplätzen kommt den Feudalherren zu. Diese förderten die Entwicklung der Märkte auf ihrem Gebiet, indem sie bestimmte Rechte und Vergünstigungen gewährten, Grundstücke zuwiesen und z.B. das Schlagen von Bauholz erlaubten. Sie erhoben im Gegenzug dafür verschiedene Abgaben: Den sogenannten „Marktzoll“ für jeden getätigten Handel, sowie für die Benutzung der Marktstände und der Waage. Der Feudalherr garantierte allen Marktbesuchern, unabhängig vom sozialen Stand, freien Zugang zu den Wochenmärkten.

Märkte entwickelten sich zumeist an großen Handelswegen (Überlandstraßen), insbesondere natürlich dort, wo sich solche Straßen kreuzten. Dreieckige oder trapezförmige Marktplätze verweisen daher oftmals auf ihre Entstehungsgeschichte (Straßengabelungen). Oftmals konnten die zunächst provisorisch angelegten Märkte, den rasch wachsenden Warenverkehr schon nach kurzer Zeit nicht mehr aufnehmen. An geeigneteren Standorten entstanden daher neue, größere und besser geplante Marktplätze (Wochenmarktplätze). Um die eigentlichen Verkaufsflächen herum wuchsen Wohn- und Nutzgebäude von Handwerkern und Kaufleuten, die Bebauungsdichte nahm entsprechend rasch zu. In festungsähnlichen Steinbauten, so genannten Vogteien (hierher stammt zum Beispiel der Name des Hausvogteiplatzes in Berlin / Wochenmarkt am Hausvogteiplatz), wohnten Beauftragte der Grundherren (heute: Marktverwaltung, Marktleitung oder Marktorganisation), die Maße und Gewichte prüften, die Vergabe der Standplätze regelten und Abgaben erhoben. Am Marktplatz oder unmittelbarer Marktplatznähe, befand sich in der Regel eine Kirche oder eine Kapelle. Mit den so entstandenen Strukturen erhielten die frühen Städte ein Gegengewicht zu den bis dato den Handel dominierenden Domburgen, Pfalzanlagen und Klöstern.

Überlebenswichtig für die frühen Städte und ihre Märkte war der Marktbrunnen, da es in den Wohnhäusern keine Wasserversorgung gab und zudem auf dem Markt die Lasttiere und das Schlachtvieh getränkt werden mussten. Die Funktionsfähigkeit des Brunnens war also unbedingt zu sichern, was zum Teil mit sehr großem Aufwand verbunden war. So mussten etwa tiefe Bohrungen vorgenommen werden oder das Wasser musste von weit her zum Markt geleitet werden. Auf den Märkten (oder in etwas späterer Zeit vor dem nahe gelegenen Rathaus) befand sich das sogenannte Marktkreuz, welches als Zeichen für das Marktrecht, das vom König garantiert wurde, fungierte. Durch verschiedene daran angebrachte Symbole (z.B. Fahne, Handschuh, Schwert) sollte die „metaphorische Anwesenheit“ des Königs dargestellt werden.

Zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert wuchsen die Marktplätze sowohl in Infrastruktur, als auch in ihrer Unabhängigkeit. Zum Ende des 14. Jahrhunderts war die Anzahl der Städte in Deutschland auf etwa 4000 angestiegen. Stadtgründungen waren zu dieser Zeit äußerst populär. Die Territorialherren versuchten durch das Planen und Bauen von Städten eine größere Sicherheit zu bekommen. Sie wollten ihre Territorien wehrhafter machen und zudem durch die neu entstehenden Infrastrukturen ihre Einnahmen erhöhen. Viele der damals entstehenden „Städte“, blieben trotz der offiziellen Stadtrechte, ihrem Wesen nach eher Dörfer mit weniger als 500 Einwohnern. Andere, wie etwa die Hansestädte Lübeck und Bremen oder bedeutende Fernhandelszentren wie Nürnberg und Augsburg, entwickelten sich mit mehr als 10.000 Einwohnern zu den ersten „Großstädten“. Typisch für Marktgründungen dieser Zeit, war das geplante Anlegen dieser im Zentrum der Siedlungen. Mitunter wurden in diesem Zuge, alte Handelsstraßen so umgelenkt, dass sie an den neu angelegten Marktplätzen vorbeiführten. Viereckige Grundrisse ergaben sich dadurch, dass in der Mitte der neuen Orte Baublöcke ausspart wurden. Solche Flächen waren meist zwischen 3000 und 10000qm groß. An älteren, bereits fest etablierten Handelsplätzen machte der florierende Marktbetrieb neue Marktplätze mit zum Teil speziellen Funktionen erforderlich. So entwickelten sich etwa Fachmärkte für Holz, Töpferwaren, Weideviehhandel, Geflügel, Fisch oder Korn. Diese waren zumeist täglich geöffnet, anders als die wöchentlich durchgeführten Hauptmärkte (Wochenmärkte). Vielerorts erinnern noch heute die Bezeichnungen für Plätze oder die Straßennamen an diese Märkte.

Mit steigender Wirtschaftskraft, erlangten die Städte in vielen Bereichen Unabhängigkeit von den jeweiligen Feudalherren, die, um ihren wachsenden Geldbedarf zu decken oder ihre Schulden zu bezahlen, den Städten verschiedene Rechte von der Gerichtsbarkeit bis zu den Marktrechten abtraten (verkauften). Das neu gewonnene Selbstbewusstsein des Stadtbürgertums drückte sich im unter anderem im Bau von Rathäusern aus, die seit dem 13. Jahrhundert in großem Umfang in der Nähe von Marktplätzen entstanden. Stadträte, Gilden, Zünfte und einzelne wohlhabende Familien förderten die Entwicklung repräsentativer Markt- und Stadtkirchen. Diese wurden nicht nur rituell genutzt, sondern ebenso eine Funktion als weltliche Versammlungsorte, z.B. für die Durchführung des Marktgerichts oder als Aufbewahrungsort stadteigener Kostbarkeiten und Urkunden.

Auch die übrigen Bauten im Umfeld des Markts spiegelten die gesellschaftliche Entwicklung der Städte wider. Hier standen die Häuser finanziell gut situierter Kaufleute, reich gewordener Zunftmeister und die Anwesen von Zünften und Gilden selbst. Auch Gasthöfe und Herbergen wurden sehr oft in unmittelbarer Nähe zum Markt / Marktplatz erbaut. Da es als Vorzug galt, am Markt zu wohnen, wurden die Baugrundstücke zunehmend kleiner und es entstanden immer häufiger mehrgeschossige Holz- und Fachwerkbauten, deren schmale Giebel der Marktplatzseite zugewandt waren.

Seit dem 14. Jahrhundert bemühten sich die Stadtverwaltungen darum, dass zunehmend in Stein gebaut wurde, um damit die Feuergefahr in den Ortschaften zu verringern. Besonders in der Nähe von Marktplätzen wurde diesen Bauanweisungen ohne großen Widerspruch folgegeleistet, zumal in den anliegenden Häusern oft wertvolle Waren und Rohstoffe lagerten. Marktplätze dienten jedoch nicht ausschließlich als Rahmen für die üblichen Wochenmärkte. Als besondere Höhepunkte der Stadtkultur, wurden hier auch Jahrmärkte abgehalten, zu denen Händler, Schausteller, Wunderheiler, Musikanten und Käufer auch aus der weiteren Entfernung anreisten. Auf den Marktplätzen fanden außerdem verschiedene andere Festlichkeiten (z.B. Osterfest und Fastnacht), sowie feierliche Empfänge für hohe Gäste statt. Es wurden auch öffentliche Gerichtsverhandlungen auf den Plätzen abgehalten. Daraus resultierende Urteile wurden ebenfalls öffentlich und vor Ort vollstreckt. Die Bandbreite reichte dabei von Auspeitschungen (am Pranger) bis hin zu Hinrichtungen. Der Marktplatz eignete sich in „demonstrativer Hinsicht“ besser als der eigentlich dafür vorgesehenen Galgenplatz, welcher sich zumeist vor den Stadttoren befand.

Im 15. Jahrhundert verloren die Städte die meisten wieder viel von ihrer Souveränität. Innerhalb der Kommunen nahmen die sozialen Spannungen zu und führten mitunter zu teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen. Zu unflexibel organisierte Zünfte erwiesen sich allmählich als Hindernis für die allgemeine Entwicklung. Immer aufwendigere Befestigungsarbeiten belasteten zudem die Finanzen. Hinzu kamen Epidemien und Missernten. In dieser Situation entschieden viele Landesherren, die Städte wieder in ihre Abhängigkeit zu bringen, die Ratswahlen zu kontrollieren und Handelsprivilegien zu widerrufen. Trotz dieser Rückentwicklung, blieb aber die ökonomische Lage des städtisch-bürgerlichen Handels auf längere Sicht weitestgehend zufriedenstellend und prägte entsprechend das Bild der Marktplätze. Die machtpolitischen Veränderungen wurden also kaum sichtbar. Territorialherren wie auch Bürger hatten das selbe Interesse an gut funktionierenden Märkten mit repräsentativen Gebäuden. Durch Neu- oder Umbauten entstanden daher auch in den feudalabhängigen Ortschaften prächtige Marktplätze und Rathäuser. Die Marktumbauungen verdichteten sich an vielen Plätzen mehr und mehr.

Gebäude aus dem 15. Jahrhundert wurden im 16. Jahrhundert häufig erneuert, erweitert oder aufgestockt. Vom gewohnten Bild der schmalen Giebel wurde nun vermehrt zu der bautechnisch günstigeren Traufstellung übergegangen. Die Längsseiten der Häuser waren hierbei dem Marktplatz zugewandt. Einzelne zum Markt gerichtete Giebel lieferten architektonische Akzente, welche Reichtum und sozialen Status der Bauherren demonstrieren sollten. Die Plätze selbst wurden vielerorts geebnet, teilweise gepflastert und mit kunstvollen Brunnen bestückt. Die Wohngegend um den Markt galt weiterhin, als attraktivster Bereich der Stadt. Architektonische Neugestaltung und differenziertere Nutzungsmöglichkeiten steigerten die Bedeutung der Marktplätze nicht nur in ökonomischer, sondern zunehmend auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Zu den unterschiedlichsten Anlässen, wie zum Beispiel Fürstenhochzeiten, Einweihungen oder Regierungsjubiläen, ließen die Landesherren auf den Marktplätzen große öffentliche Veranstaltungen abhalten. Die Intention hierhinter war, durch Prunk und Freigebigkeit, ihre Macht zu demonstrieren und die Sympathie der Bürger zu gewinnen. Teil dieser aufwendig inszenierten Events waren zum Beispiel Turniere, Karusselle und Feuerwerke.

Der Dreißigjährige Krieg hatte starke negative Auswirkungen für die Entwicklung der Städte. Die Landesherren tätigten infolge ihrer knappen finanziellen Mittel, fast nur noch Ausgaben für den Ausbau ihrer Residenzstädte. Die bürgerlichen Wochenmärkte wurden entsprechend als sekundär betrachtet, woraufhin viele Städte verwahrlosten. Soweit Rathausbauten und Bürgerhäuser dem aufkommenden barocken Architekturstil angepasst wurden, geschah dies oft lediglich durch kulissenartige „Scheinfassaden“ in relativ unsolider Ausführung. Städtebauliche Leistungen, wie der Gendarmenmarkt in Berlin oder der Alte Markt in Potsdam blieben Ausnahmen.

An der Intensität des Markttreibens war stets die ökonomische Lage einer Stadt ablesbar. Die Umsätze, die Zahl der Händler und Käufer, sowie die Häufigkeit und Dauer der Wochenmärkte, waren starken Schwankungen unterworfen. Insbesondere in Kriegszeiten oder wenn Seuchen die Stadt heimsuchten. Mit der Genehmigung oder Verweigerung von Jahrmärkten, konnten die Landesherren (Fürsten) in den Gang der Geschäfte eingreifen und die Städte in gewisser Weise „disziplinieren“, bzw. regulieren. Der Verlust an städtischer Unabhängigkeit setzte sich fort. Fürsten untergruben die Souveränität der Ratskollegien, indem sie neue Statuten und Marktordnungen erließen und sukzessive erhöhten Einfluss auf die Besetzung wichtiger Ämter nahmen, welche im 17. Jahrhundert zu bezahlten Beamtenstellen wurden.

Mit der Einführung der Dampfkraft, bzw. der Dampfmaschine als Antriebskraft am Ende des 18. Jahrhunderts, begann die Industrielle Revolution. In diesem Zeitraum wurden Zunftordnungen und Zollbestimmungen immer weiter vereinfacht. Der Straßenbau und die Binnenschiffsverkehr wurden intensiviert, Ausbau und Vernetzung von Eisenbahnstrecken in den 1850er Jahren gaben zudem weitere starke Impulse für den Handel und das Gewerbetreiben. Größe und Struktur der Städte veränderten sich grundlegend. Im Jahr 1830 gab es zwei deutsche Städte – Hamburg und Berlin – welche mehr als 100.000 Einwohner hatten. Bereits 50 Jahre später im Jahr 1880, waren es 15 Städte und um 1900 schon über 30 Städte. Neue Marktplätze wurden kaum mehr angelegt, da Großstädte vielfach dadurch entstanden, dass kleinere Städte, bzw. Gemeinden mit jeweils eigenen Märkten, zusammenwuchsen. Typisch wurden „Bahnhofsstraßen“, die Markt und Bahnhof miteinander verbanden und an denen sich bald moderne Ladengeschäfte und Dienstleister etablierten, welche zuvor eher im direktem Umfeld der Marktplätze zu finden waren. Historische Rathäuser am Markt veränderten ihren Charakter. Üblich waren bis dato Läden und Verkaufsstände im Erdgeschoss. Fortan brachte man hier nun zusätzliche Verwaltungsräume oder Banken unter. Um- und Anbauten veränderten also stetig das Aussehen der Gebäude, einzelne Bereiche, etwa Polizei, Ratsarchiv oder Steuerbehörde, mussten ausgelagert werden. Großstädte wie Berlin und Hamburg benötigten um die Mitte des 19. Jahrhunderts neue größere Rathäuser. Dieser Bau, bzw. Um-und Anbau von Rathäusern wurde mit der Reichsgründung im Jahr1871 nochmals intensiviert. Im neu entstandenen Deutschen Reich wurden in den darauf folgenden dreißig Jahren, mehr als 50 neue Rathäuser errichtet, meist mit hoch aufragenden Türmen und Fassaden im Stil vergangener Epochen. Die neuen großvolumigen Bauten waren aber oft nicht vereinbar mit den architektonischen Maßstäben der alten Marktplätze und wurden deshalb an anderen Standorten errichtet. (In solchen Fällen, büßten die Marktplätze natürlich eine ihrer jahrhundertealten politisch-repräsentativen Funktionen ein.) Gleichzeitig bewirkte der verhältnismäßig sorglose Umgang mit historischer Bausubstanz – begründet in kommerziellem Interesse und „Geltungsdrang“ – dass zahlreiche historische Gebäude einfach abgerissen wurden. Andere Bauten wurden lediglich baulich stark verändert, etwa durch historisierende Fassadengestaltungen. Durch eine sich intensivierende, staatlich unterstützte Denkmalpflege konnten einige Verluste abgewendet werden, indem mit dieser Hilfe, notwendige Umgestaltungen häufig in einer Weise vorgenommen werden konnten, welche die Harmonie und Atmosphäre der alten Marktplätze nicht weiter zerstörte.

Im 19. und 20. Jahrhundert gerieten Marktplätze und Wochenmärkte oft in die Kritik, weil sie das Pflaster verschmutzten, störende Gerüche verbreiteten und hinderlich für den Verkehr waren. Diese Vorbehalte trugen dazu bei, dass in Großstädten Markthallen gebaut oder Märkte auf weniger bedeutende Plätze verlegt wurden. Generell verlor der Marktplatz seine eindeutige Vorrangstellung als städtisches Handelszentrum. Er blieb aber ein wichtiger infrastruktureller und sozialer Ort, sowie ein attraktiver Standort für fest etablierte Geschäfte. Die alten Marktplätze blieben als historisches Stadtzentrum, Orte der Repräsentation und der städtischen Selbstdarstellung. Sie behielten ihre besondere Bedeutung als Festplätze in attraktiver architektonischer Umgebung.

In sozialer und politischer Hinsicht, waren Marktplätze oft Austragungsorte gewalttätiger Konfrontationen. Auf dem Berliner Gendarmenmarkt zum Beispiel fand im Vorfeld der Bürgerlichen Revolution der sogenannte „Berliner Kartoffelkrieg“ statt. Wütende Bürger griffen damals die Händler an, die zuvor ihre Kartoffelpreise (aus spekulativen Gründen) stark angehoben hatten. Im September 1848 tagte die Preußische Nationalversammlung im dortigen Schauspielhaus.

Im Zweiten Weltkrieg war eine große Anzahl kulturhistorisch und architektonisch einzigartiger Marktplätze ganz oder zu einem Großteil zerstört worden. Ihre Wiederherstellung war aus unterschiedlichen Gründen problematisch. Auf der einen Seite fehlte es an technischen und finanziellen Mitteln. Zudem gingen aber auch die Ansichten über die richtige Vorgehensweise (Abbruch oder denkmalgerechte Instandsetzung) oftmals weit auseinander. Diese Fragen wurden nicht nur in fachlicher Hinsicht diskutiert und unterschiedlich beantwortet, sondern im geteilten Deutschland auch vor verschiedenen ideologischen Hintergründen. Heute spiegeln die uneinheitlichen baulichen Zustände vieler Marktplätze diese „Konsensschwierigkeiten“ wider.

In der heutigen Zeit, wo Supermärkte und Einkaufszentren längst den Wochenmarkt in versorgungstechnischer Hinsicht überflüssig gemacht haben, halten und entwickeln sich dennoch – vor allem in größeren Städten – verschiedene spezielle Erscheinungsformen des traditionellen Marktes. Spezielle Öko-Märkte oder Bio-Wochenmärkte bieten Produkte und Erzeugnisse an, die als 100% naturbelassen gekennzeichnet sind, auf Umland- oder Regionalmärkten werden Erzeugnisse ausschließlich aus der näheren ländlichen Umgebung verkauft. Weihnachts-, oder Trödel- und Kleintiermärkte benutzen gerne die alten Plätze. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich in den letzten Jahren zum die sogenannten Mittelaltermärkte, bei denen sich nach historischem Vorbild gekleidete Akteure, als Gaukler, Händler oder Handwerker bemühen, dem originalgetreuen Bild und der ursprünglichen Atmosphäre der frühen Märkte möglichst nahe zu kommen. Architektonisch ansehnliche Marktplätze werden durch Verkehrsberuhigung, Schmuckpflaster, schöne Cafés und einer Vielzahl an speziellen Veranstaltungen, zu Anziehungspunkten für Einheimische und Touristen.

Insgesamt gesehen, haben sich Marktplätze und die darauf stattfindenden Wochenmärkte als überaus lebensfähig erwiesen. Aussehen und Nutzung veränderten sich – entsprechend den jeweiligen historischen Bedingungen – in vielen Einzelheiten, während der letzten Jahrhunderte. Die räumlichen Grundstrukturen überdauerten aber vielerorts bis in die heutige Zeit. Für das gesellschaftliche Leben der meisten Städte sind Marktplatz und Wochenmarkt noch immer von erheblicher Bedeutung und fungieren somit, in gewisser Weise, immer noch zu einem bestimmten Grad als gesellschaftliches Zentrum in den Städten.